Inzucht

Ein zu Unrecht vorverurteilter Begriff.

Es hält sich hartnäckig der Glaube, dass Inzucht die Schuld für Erbkrankheiten trage. Dies ist schlichtweg falsch.

Inzucht ist kein Auslöser für Erkrankungen, sie ist ein Mittel zum Aufdecken dieser.

D.h. im Detail:

Durch die Anwendung von Inzucht, d.h. durch die Erhöhung der genetischen Uniformität von Nachkommen, entstehen keine NEUEN Fehler im Erbgut der Nachkommen. Um es einmal bildlich und humorvoll zu beschreiben. Die Chromosomensätze mutieren nicht vor Schreck, weil sie sich zu bekannt vorkommen ;) Fehler im Erbgut, auch Mutationen genannt, werden durch Fehler während der Meiose, Fehler während der Befruchtung und Umweltfaktoren verursacht, oder vererbt. Um vererbt zu werden, müssen diese bereits VOR der Verpaarung im Erbgut beider oder eines Partners existieren.

Was die Inzucht wirklich tut ist folgendes. Umso höher der Inzuchtwert einer Verpaarung, also umso enger verwandt die Partner sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass VORHANDENE Erkrankungen SICHTBAR werden bei den Nachkommen.

Die meisten Erbkrankheiten sind polygenetisch und/oder rezessiv, d.h. sie benötigen das Zusammenwirken mehrere/vieler Gene, um aufzutreten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass viele Tiere nicht erkranken, jedoch aber durchaus Gene für eine Erkrankung tragen können. Und nur einige Nachkommen, dem Zufall unterliegen von allen Genen betroffen zu sein, und zu erkranken. Eine hohe genetische Vielfalt, also ein geringer Inzuchtwert, kann sich positiv auswirken, weil es die Gene verdünnt. Die Tiere einer solchen Population sind meist nur Träger von bestimmten Genen und erkranken selbst nicht.

Geringe Inzucht bedeutet jedoch auch, dass Erkrankungen in der Population verbleiben, und nicht verschwinden.

Eine geringe genetische Vielfalt, durch den Gebrauch von Inzucht, bringt die schlechten Gene sehr viel schneller zusammen, und so werden Erkrankungen für Züchter sichtbar. Sie ermöglicht es den Züchtern, die Tiere und Linien wirklich auf ihre Gesundheit zu testen, und Erkrankungen durch gezielte Nutzung der Inzucht sogar zu eliminieren.

 

Ich möchte anmerken, dass so einfach wie es vielleicht zu erklären ist, dies keine Methoden sind, die in unerfahrene oder allein wirkende Hände gehören. Hierzu gehört vorab Wissen über die vorherigen Generationen, Erfahrungsaustausch mit Züchtern, und ein weitaus höheres Verständnis für Genetik, als es hier in der Zusammenfassung dargestellt ist.

 

Wer weiter ausführliche Erläuterungen zum Thema Inzucht bei Mäusen, und historische Beispiele sucht, ist auf dieser Seite richtig :)

Rückverpaarung

Bei einer Rückverpaarung verpaart man nahe Verwandte, z.B. Geschwister, Halbgeschwister, Mutter und Sohn oder Vater und Tochter. Da die Genetik sehr ähnlich ist, kann man so sehr leicht austesten ob sie Erbkrankheiten tragen. Außerdem findet man so sehr leicht den vollständigen Gencode heraus.

Linienzucht

Linienzucht beschreibt die Nutzung der Rückverpaarung über Generationen hinweg.

Man kann Mutter und Sohn und Vater und Tochter verpaaren, aus deren Nachwuchs wird dann wieder die Mutter mit einem Sohn und der Vater mit einer Tochter verpaart, usw. Man kann aber nach der Rückverpaarung von Mutter und Sohn/ Vater und Tochter auch Geschwister miteinander verpaaren und bei deren Nachwuchs wieder auf ein Elternteil verpaaren.

Wichtig in allen Varianten ist das Händchen für die richtige Selektion!

Bereits ab der 3./4. Generation sind die entstandene Vaterlinie und die Mutterlinie so fremd voneinander, dass die Kreuzung der Linien wie eine Einkreuzung von frischem, unverwandtem Blut wirkt. Spätestens nach der 8. Generation Linienzucht sollte frisches Blut eingekreuzt werden.

Testverpaarung

Oft findet man bei Verpaarungen die Bemerkung "Testverpaarung". Dies kann unterschiedliche Bedeutungen haben.

Eine Testverpaarung ist i.d.r. die einmalige Verpaarung zweier Mäuse. Dies kann nötig sein, um den Gencode sicher zu bestimmen. Es kann aber auch der Test sein, ob blutfremde Tiere miteinander harmonieren und gesunde Nachkommen bringen, die den gewünschten Vorstellungen entsprechen.